15 September 2016

"Warum ausgerechnet ich?"

Wisst ihr, es gibt so viele Dinge über die ich von Zeit zu Zeit wiederholt nachdenke. Und manchmal treffen mich Erkenntnisse unvorbereitet und plötzlich, ich sitze da und denke mir, dass manche Sachen einfach nur bescheuert und unnötig sind. Und da wären wir bei einem Satz, den man immer mal wieder hört oder liest und über den ich einfach nur den Kopfschütteln kann.

Jemand wird krank. Und kranksein ist scheiße. Es tut meistens irgendwas weh und bringt Umstände mit sich, die weder für die Person selbst, noch für die Menschen, die sie lieben, einfach sind. Es gibt Krankheiten, die kommen, sind schlimm und gehen dann wieder und dann diese, die jahrelang bekämpft werden und von denen jeder weiß, dass es am Ende auf eines hinausläuft: dieses Nichtmehrgesundwerden.
Und dann fällt er, dieser eine Satz: "Wieso ausgerechnet ich?" - natürlich ist das ein Gedanke. Aber niemand auf dieser Welt würde sich freiwillig eine Krankheit oder ein schlimmes Schicksal aussuchen. Keine Mutter würde es wollen, dass ihr Kind vor ihr sterben muss, dass es vielleicht sogar von jemand anderem aus dem Leben gerissen wird. Niemand möchte in jungen Jahren krank sein und es ist nie, nie, nie einfach. Und doch bringt dieser Satz niemanden weiter. Denn während man ihn sagt, kann man es doch sowieso nicht ändern. Und zweitens möchte ich ganz persönlich auch niemandem anderen die Krankheit wünschen, die es in meiner Familie gibt. Ich weiß, dass es wahrscheinlich Menschen gibt, die sich denken, wenn ich könnte, dann würde ich dies wem anders geben, jemanden, den ich nicht kenne. Aber so geht es nicht. Und wenn man vorhat ein "guter Mensch" zu sein, kann dies auf jeden Fall nicht dazu gehören. Als könnte man mit diesem Satz, mit dieser Frage irgendwas wieder gutmachen, als hätte man die Pflicht zu sagen "Ich hab das doch nicht verdient, wieso ich? Ich bin doch ein guter Mensch, bitte nicht ich." Aber das bringt nichts. Es hat letztendlich keine Bedeutung, denn, wenn wir uns mal auf der Welt ganz genau umschauen und das ist ein Gedanke, den ich sehr oft habe, wenn ich zum Beispiel in einem Café sitze und vorbeilaufende Menschen ansehe, dann denke ich mir: Jeder von diesen Menschen nimmt sich selbst für am wichtigsten. Jeder von diesen hat sein eigenes Leben, eigene Ziele, Werte, Gedanken. Und die meisten von ihnen denken wohl, dass das, wie sie l(i)eben das Richtige ist. Und letztendlich ist alles so, wie es kommt. Und wahrscheinlich sind wir alle viel unbedeutender, als wir überhaupt denken. Deshalb ist es auch so wichtig jeden Tag einfach zu leben und so zu leben, wie man leben will, auf sich zu achten, zu beschissenen Vorsorgeuntersuchungen zu gehen und sich nicht in unnötige Gefahr zu bringen. Und niemand auf dieser Welt hat es verdient Krebs zu haben, eine kaputte Lunge (aus welchen Gründen auch immer), ein Kind zu verlieren oder überfallen zu werden.
Niemand ist besser als ein anderer Mensch und ich finde das ist ein Denken, welches man auf kleine Weise mit der Frage ausdrückt und das sollte man nicht machen. Und wenn ich dann vor der Situation stehe und mich fragen müsste, wieso ausgerechnet ich oder wir, dann versuche ich die Dinge zu akzeptieren und ein bisschen Kräfte zu sammeln, um mich den Situationen zu stellen, so wie sie sind, so weh sie auch tun.

Habt ihr schon einmal über die Bedeutung von bestimmten Aussagen nachgedacht, die ihr immer wieder hört? Erzählt mir davon. Herzlich, eure Clara

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