13 Juli 2016

Dinge, die ich meinem 15-jährigen Ich mit auf den Weg geben würde

Was wäre geschehen, wenn ich damals... ? - diese Fragen stellt sich wohl jeder von Zeit zu Zeit mal. Es gibt gute und schlechte Entscheidungen, die jeder von uns trifft und manchmal weiß man wohl erst Jahre später, welche davon gut und welche schlecht waren. Es kann sinnvoll sein, sich zu sagen, dass alle Entscheidungen aus der Vergangenheit zu diesem Punkt in der Gegenwart geführt haben und wenn wir glücklich sind, dann ist es auch genau richtig. Dennoch sollte es nicht der Freifahrtschein für dämliche Entscheidungen sein, denn die gibt es in jedem Leben mal. Deshalb blicke ich heute gemeinsam auf mich zurück, eher gesagt auf mich vor zehn Jahren, als ich 15 war. Und das erscheint mir wirklich, wirklich gar nicht so lang her zu sein. Zehn Jahre, das ist eine echt lange Zeit und es kommt mir ein bisschen so vor, als wäre es gestern gewesen. Dementsprechend, herzlich Willkommen zu meinen Tipps an mein 15-jähriges ich.


Liebe Clara, 

es ist vollkommen okay für eine Band zu schwärmen. Aber du solltest nicht deinen gesamten Lebensinhalt auf diese ausrichten. Treib deine Eltern nicht in den Wahnsinn mit Erzählungen über das Lieblingsessen des Sängers (Königsberger Klopse oder BigMac, Chicken Nuggets und Vanillemilchshake von McDonalds) oder das neue Shirt des Gitarristen (oh, das ist so schön.. blau). Es ist vollkommen okay, dass du die Band so sehr magst, aber denk daran, es gibt auch noch andere Dinge im Leben.

Es ist außerdem in Ordnung das eigene Zimmer zu verschönern. Aber müssen es tatsächlich 200 Poster (nach Farben sortiert!!) sein, die sogar die Zimmerdecke verschönern?

Das mit den Konzerten hast du gut gemacht! Du brauchst nicht vor Hallen zu schlafen, um deiner Band nah zu sein, das hast du schon mit 15 verstanden und es deshalb nie gemacht. Du hast ein paar Konzerte mit deinen lieben Freundinnen verbracht und sie sehr genossen. Fahr noch einmal nach Prag und nimm mehr Erinnerungen aus der Stadt mit.

Mach dir keine Sorgen um das, was andere Leute von dir denken. Du kannst lieben, wen du willst. Deine Lieben werden dir das auch zeigen, so wie sie das auch einige Jahre später taten. Und es ist sicher auch in Ordnung, dass ein Kuss mit einer Frau mehr ist, als ein bisschen rumprobieren, aber das wirst du erst viele Jahre später verstehen. Vielleicht ist auch das okay, dann weißt du nämlich, dass du dir sicher bist.

Verbring' noch früher mehr Zeit mit deinen Großeltern, sodass deine Eltern dich nicht ständig dran erinnern müssen, da mal anzurufen. Fahr einfach hin, trink eine eisgekühlte Cola, erzählt euch ein bisschen und dann fahr wieder nach Hause. Wenn jemand am Tisch schlechte Laune hat, sprich es an und lass es dir nicht gefallen, dass dir einige Familienfeiern versaut werden, nur weil irgendjemand schlecht drauf ist. Das muss nicht sein. Nutzt die Zeit, die ihr gemeinsam habt und seid noch ehrlicher zusammen, als du es mit 15 warst.

Geh unbedingt schon nach der zehnten Klasse vom Gymnasium aufs Berufliche Gymnasium und entscheide dich, auch wenn du allein dorthin gehen musst, für diesen Weg statt nach einem Jahr schlimmen Versagens nach der Klasse 11. Es geht mir nicht darum, dass ein Jahr Wiederholen schlecht ist, sondern darum, dir ganz persönlich viele Tränen und Kräfte zu ersparen. Sei ein bisschen mutiger!

Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit dir. Vieles muss vielleicht erst passieren, damit man so wird, wie man ist und das ist auch gut so. An der ein oder anderen Stelle hättest du es dir trotzdem selbst sehr viel leichter machen können.

Auf die nächsten zehn Jahre, in denen du wahrscheinlich noch viel mehr erleben wirst (Reisen, Familie, Liebe) - ich bin gespannt, was du von 15 bis 35 alles erleben wirst. Bis 25 hast du es schon einmal sehr gut gemacht.

Weiter so.

Wie ist das bei euch? Was würdet ihr eurem 15jährigen Ich mitgeben?
5 Kommentare
  1. Liebe Clara - die heutige :)
    das ist wirklich ein wunderbarer Beitrag. Der gefällt mir wirklich richtig gut! Ich finde diese Ehrlichkeit sehr schön und bewundernswert.

    Wenn ich heute überlege, was ich mir selbst raten würde, ist das gar nicht so einfach. Grundsätzlich bin ich relativ zufrieden wie alles verlaufen ist. Aber insgesamt würde ich mir glaube ich raten, mehr auf mein Herz zu hören, mehr Mut zu haben, eigene Wege zu gehen und mehr darauf zu vertrauen, wer ich SELBST bin. <3 Ich glaube das hat mir einfach sehr oft gefehlt, denn ich habe schon oft gezweifelt, gehadert und irgendwie alles in Frage gestellt.
    Vielleicht würde ich mir auch raten, ein bisschen ehrgeiziger in der Schule zu sein.

    Aber das wirklich wichtigste ist, dass man schon als Kind bzw. junger Erwachsener erkennt, dass es wichtig ist sich selbst treu zu bleiben und seinen Weg zu gehen.


    Hach ja :)
    <3
    Hab dich lieb und bin froh dass wir uns kennen gelernt haben - wenn auch erst als "Erwachsene" :) <3

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  2. Haha voll die coole Idee mit diesem Post :D
    Die Posterwände hatte ich auch, aber nach Favoriten sortiert :D
    Auf Konzerten war und rumgeheult habe ich auch nie. Da war ich wirklich nicht der Typ dafür. Ich war eigentlich nur in meiner Jugend bei Silbermond auf dem Konzert und das war ein recht kleines in unserer Stadt.
    Hihi das mit dem Küssen finde ich auch toll. Sollte man definitiv mal ausprobiert haben ;)
    Das mit den Großeltern kenne ich auch nur zu gut :( Seitdem meine Oma nicht mehr aus dem Haus kommt, besuche ich sie und Opa aber regelmäßig und bring ihnen Salat und Kuchen vorbei. Tut wirklich richtig gut :)
    Hach, die liebe Schulzeit war für mich auch ab und an eine Qual. Hätte vielleicht auch runter gehen sollen, aber habe es knallhart durchgezogen und habe nun eben ein 3er Abiturschnitt...

    Dankeschön für deinen lieben Kommentar :)
    Das sind jetzt die letzten Bilder von der Springtimereihe, habe aber schon wieder neue aus unserem Garten geschossen :P
    Mir gehts gut soweit, grad ists zwar stressig auf Arbeit, aber gehört eben auch dazu xD Und dir?

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  3. Huhu,
    das ist wirklich ein süßer Post.

    Das mit den Postern hatte ich auch. :D Ich glaube, das hatte jeder in dem Alter.

    Den Familienstress gab es bei mir auch. Deswegen bin ich mit 17 auch schon ausgezogen. Zu meinem damaligen Freund und jetzigen Ehemann. :)

    Ich glaube, ich würde alles genauso machen, wie ich es gemacht habe. Durch die Fehler, die ich gemacht habe, bin ich das geworden, was ich jetzt bin.

    Ich glaube, das wäre bei dir nicht anders oder? ;)

    Ganz liebe Grüße
    Steffi

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  4. Hallo liebe Clara,

    Ich möchte deinem 15-jährigem Ich noch auf den Weg geben: mach bitte alles genauso, wie es geschehen ist, denn es du es sowieso schon getan hast. Das hat dich nämlich alles zu einem wunderbaren Menschen gemacht. ❤️

    Ich mag den Gedanken, mit meinem alten Ich reden zu können. Aber irgendwie gruselt es mich auch.
    Ich bin auch über die Fehler froh, die ich machen konnte, denn ich weiß nicht, wie und was ich ohne sie wäre. Dennoch würde ich mir selbst vor allem gern sagen: scheiss doch auf das, was Leute von dir denken, die dir eh nicht guttun und bemüh dich stattdessen ganz genauso um deine wahren Freunde.

    Ich finde den Beitrag ganz toll, aber vor allem sollte er uns eigentlich eines zeigen: wir sollten dankbar sein für die Erfahrungen, die wir machen durften!

    Ich küsse dich!!

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  5. Liebe Clara,

    ich schau lieber viel zu selten hier bei dir vorbei und es ärgert mich selbst so sehr, weil ich deine Texte an sich ja so sehr liebe und schon immer geliebt habe.

    Ich mag deinen Rückblick zu deinem 15-jährigen Ich.
    Und ich finde, du hast alles richtig gemacht. Wieso auch falsch? Ich mein, man lebt doch nur einmal und das Leben ist viel zu kurz um sich Gedanken um richtig oder falsch zu machen. Und ich bin mir sicher dass du auch in den nächsten Jahren einiges richtig und die anderen Dinge vielleicht nicht perfekt, aber doch annehmbar gestalten wirst.

    Was ich dir sagen will ist, bleib so wie du bist & tu das, was deinem Herzen gut tut und dich vor allem glücklich macht. <3

    Alles Liebe,
    Geli

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