06 Juli 2016

Die Sache mit der Liebe

Überall wird uns die Sache mit der Liebe erklärt. Wie sie zu sein hat, was das ist und wie es sich anfühlt. Von klein auf spielen wir Mutter, Vater, Kind und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wann es war, es war auf jeden Fall sehr früh, als mir in meinem Leben das erste Mal diese höchst private Frage “In wen bist du verliebt?” gestellt wurde. In diversen Spielrunden, sei es Flaschendrehen oder Tat oder Wahrheit, da waren für mich immer diejenigen merkwürdig, die für niemanden schwärmten, weil es für mich wirklich seit meiner frühen Kindheit so war, dass ich immer irgendeinen Schwarm hatte. Irgendwie gehörte das (traurigerweise) für mich einfach so dazu und heute kann ich darüber nur den Kopf schütteln. Angefangen hatte es in der ersten Klasse mit P, der auf dem Schulweg mit mir von meiner damaligen besten Freundin verheiratet wurde. Bis in alle Ewigkeiten. Oder eben bis er mit seiner Familie am Ende der zweiten Klasse wegzog und ich ihn nie wieder in meinem Leben sah. So stellt man sich das mit der Liebe aber nun doch nicht vor. Ich habe nie wirklich daran gezweifelt, dass es sowas wie Liebe wirklich gibt, weil ich Zuhause das beste und bis heute schöne Beispiel meiner Eltern sehe, bei denen ich mir tatsächlich sehr, sogar sehrsehrsehr, sicher bin, dass sie sich lieben. Liebe ist einzig- und eigenartig zugleich und ich sollte lange Zeit brauchen, bis ich wirklich verstand, was sie bedeutet und dass sie manchmal ganz anders ist, als wir es uns denken. In Film und Fernsehen, im Internet und überall werden wir mit Dingen und Personen, die man verdammtnochmal zu lieben hat, nur so zugeballert und wenn wir diese oder jene Serie nicht kennen, dann muss sie unbedingt auf unsere “Watchlist”, einfach nur, damit wir mitreden können, bei diesen Dingen, die eben so toll sind, einfach weil sie alle tun. Als ich sechzehn war und meine damaligen Freundinnen mir sagten, dass es doch nun langsam endlich mal an der Zeit sei mit meinem damaligen Freund “einen Schritt weiter zu gehen”, da merkte ich zum ersten Mal, dass ich sicher vieles wollte, aber das nicht. Ich konnte es nicht einordnen oder verstehen und wollte es auch gar nicht, denn schließlich liebte ich ja. Oder? Verliebt sein war für mich viele Jahre das, was ich fühlte, wenn ich jemanden aus irgendeinem Grund “toll” fand. Sei es, weil er besonders gut in einem Sport oder er zweisprachig aufgewachsen war, jemanden, der schauspielerte, als hätte er sein Lebtag nichts anderes getan. Wo wir auch gerade dabei sind, dann wäre da noch jemand, der mich durch seine Kreativität und Ähnlichkeiten zu mir so begeisterte, dass ich ziemlich schnell für mich der Meinung war, dass ich mehr davon will und brauche. Verliebt sein war für mich immer einfach: Es gab da einen, der Interesse an mir zeigte und dann? Es hat Jahre gedauert, um mir das einzugestehen und wird mir im Rückblick auch erst so richtig stark bewusst. Verliebt sein beginnt natürlich mit einer Art Schwärmerei, bei dem einen wohl mehr, bei dem anderen weniger, aber sollte es wohl doch etwas darüber hinausgehen. Liebe, das ist etwas viel größeres und etwas, das sich über Jahre hinweg entwickelt. Oder eben nicht. In meinem Fall, ich kann gar nicht sagen, seit wann ich weiß, dass sie sich klangheimlich in mein Leben geschlichen hat. Sie, die Liebe und sie, die Frau, die ich heiraten will. Mutter, Vater, Kind als Idealvorstellung für mein eigenes Leben? Mutter, Mutter, Kind – oha! Als ich etwa 17 Jahre alt war, hätte ich mir nichts mehr gewünscht, als dass meine heutige Partnerin ein Mann wäre. Allein durch diesen Gedanken hätte es mir damals schon klar sein können, was ich da überhaupt fühle. Jahrelange Verdrängung haben zu viel Unglück und auch Unzufriedenheit, Streit und Unsicherheit geführt. Bis eines Tages irgendwann alles gut wurde. Manchmal müssen wahrscheinlich erst Dinge passieren, die dir das Herz brechen, bevor du verstehst, was du für Fehler gemacht hast und was du im Leben eigentlich wirklich wolltest. Und aus irgendeinem Grund wurde in meinem speziellen Fall alles irgendwie gut und genau so, wie ich es mir nie träumen hätte lassen. Dass ich diese Worte hier schreibe oder veröffentliche, hätte ich vor eineinhalb Jahren niemals in Erwägung gezogen. Ich habe die großartigsten Menschen in meinem Leben, die mich aufgefangen haben und mir gezeigt haben, dass alle, aber auch wirklich alle, Ängste, die mich jahrelang begleitet haben, derart unnötig waren, dass ich heute nur noch den Kopf über mich selbst schütteln kann. Es beginnt mit einer Ehrlichkeit zu sich selbst und erfordert natürlich auch ein bisschen Mut, aber dann ist der Lohn der Einklang mit sich selbst und ein größeres Glück kann es für mich nicht geben.

Wie immer freue ich mich riesig über eure Kommentare oder Mails an wundersachenclara [@] gmx.de - Herzliche Grüße, eure Clara
13 Kommentare
  1. Richtig richtig richtig schön. Danke fürs Teilen!

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  2. Wow, so schön geschrieben!

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  3. Einfach wundervoll.

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  4. sitz hier grade mit Tränen in den Augen. Der eine Satz war seeehr wahr... Du wunderbarer Mensch ❤

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  5. sooooo ein schöner Post ❤️❤️❤️

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  6. Sehr schön geschrieben. ...ja, der Weg zu sich selbst. ...gar nicht so einfach...schön, dass du ihn gefunden hast und ihn auch gegangen bist����

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  7. Ganz toller Beitrag liebe Clara, ich bin so stolz auf dich und es ist schön zu sehen wie glücklich du bist! Fühl dich ganz fest umarmt!

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  8. wow �� das so in Worte zu fassen ��❤

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  9. Da hast du wirklich die richtigen Worte dafür gefunden und einen wunderschönen Post verfasst! Die Liebe ist wirklich ein sehr spezielles Thema. Jeder erlebt sie anders und jeder deutet sie wohl anders. Aber wenn man für sich selbst herausgefunden hat was Liebe bedeutet und wenn man vielleicht auch schon "seine" Liebe gefunden hat, dann ist das etwas großes und wundervolles.
    Ich war mit 15, 16 auch immer nur die in der Clique, die noch nie einen Freund hatte. Das langweilige Mauerblümchen. Die zwar geschwärmt hat für andere Jungs, aber mehr gab es damals einfach nicht für mich. Ich fühlte mich auch noch nicht bereit dazu. Und dann, kurz vor meinem 17. Geburtstag, traf ich IHN. Es war sicher nicht Liebe auf den ersten Blick und es traf mich nicht wie die Wucht eines Donnerschlags, aber die Liebe zwischen uns hat sich entwickelt, langsam, Stück für Stück und ist zu etwas großem herangewachsen. Der erste und (hoffentlich für immer) der einzige :) Jetzt bin ich inzwischen die in der Clique, die am längsten in einer Beziehung ist :D So kann sich das Blatt wenden.
    Ich finde es einfach toll von dir, dass du so ehrlich darüber geschrieben und deine Gefühle mit uns geteilt hast. Behalte dir dein Glück bei, ich wünsche es dir sehr! :)

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  10. Das ist wirklich ein toller Post, sehr gefühlvoll und ehrlich :) Und wenn ich den Beitrag lese oder auch deine Posts in anderen Netzwerken sehe, dann freue ich mich wirklich sehr für dich (euch), weil man einfach merkt, wie viel Liebe und Glück da im Spiel ist :)

    Ich habe auch schon länger darüber nachgedacht, etwas zum Thema Liebe zu schreiben, auch wenn es in eine andere Richtung geht als bei dir.

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  11. Wundervoll geschrieben. Danke für das Teilen deiner Gedanken!!! :o) Liebe Grüße, Karina

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