26 Juli 2016

Die Reißleine ziehen! [Blog- und Internetgedanken]

Es gab eine Zeit, lange vor dieser Blogger-Welt, da habe ich HTML-Bücher aus der Bibliothek gewälzt und mir meine ersten eigenen Homepages bei Myblog designt. Da gab es dann Seiten über mich, Freundesseiten über meine Freunde und eine Startseite, auf der ich ab und zu mal Neuigkeiten schrieb. Früher, da habe ich mir viel weniger Gedanken gemacht über Dinge, die ich veröffentliche, Dinge, die ich im Internet mit fremden Menschen teilte. Heute ist das anders. Und gerade jetzt befinde ich mich - mal wieder - in einer Art Umbruch, in dem ich mir Fragen stelle.
Da sind sie: Fragen über meinen eigenen Internetkonsum seit ein paar Tagen und seit gestern Abend lege ich für mich und meine Seele eine Twitter- und Facebookpause auf unbestimmte Zeit ein. Es ist erschreckend, was die sozialen Medien in den letzten Tagen für mich und alle, die sich viel darin aufhalten, bereithielten. Live, ungefiltert und wenig reflektiert. Fluch und Segen zugleich. Jeder gibt seinen Senf zu Dingen ab, die er nicht versteht, bildet sich ein Urteil, es wird spekuliert, stundenlang und plötzlich tauchen da Bilder und Videos auf. Und statt mich davon abzuwenden, ziehe ich mir alles rein. Dass es eine Auswirkungen auf mich hat, das alles ungefiltert in sekundentakt (am Freitag mit München leider sogar von der ersten Minute an, verfgolgte ich die Geschehnisse live) wurde mir erst später wirklich klar. Nachts träumte ich dann, konnte nicht schlafen und nahm die Ängste tagsüber so stark mit in meinen Alltag, dass ich jetzt die Reißleine ziehen muss. Natürlich informiere ich mich weiterhin über die Geschehnisse in der Welt, schaue Nachrichten und lese Zeitung, aber besonders von Twitter muss ich einfach mal ein paar Tage Abstand haben. Einfach für mich. Und schon heute ist mir erschreckend oft aufgefallen, wie oft ich die App öffnen wollte, die vorübergehend nicht mehr installiert ist und wie oft ich es am Browser eingeben wollte. Schluss damit. Mehr Zeit, mehr Gesundheit für die Seele und trotzdem den Blick offen in die Welt. Natürlich ist das komische Gefühl in der Bauchgegend noch da, aber ich erhoffe mir eine erste Besserung und einen reflektierteren Blick, der nicht von Spekulationen verwischt wird. Aber ich mache mir auch Gedanken darüber, wie ich meinen Blog führen möchte. Es gibt Dinge, die teile ich nicht, weil ich nicht weiß, ob ich bereit bin, dass es Menschen, die mich hier vielleicht im realen Leben treffen, wissen oder lesen. Ob es nicht vielleicht zu privat ist. Es gibt andere Dinge, die ich nicht zeigen möchte, weil Menschen aus dem realen Leben sie (noch) nicht sehen sollen. Das fängt bei Geschenken an und hört bei Partyvorbereitungen auf. Wie also machen? Dinge wie diese dann erst später posten, wenn die Party schon vorbei ist? Wäre eine Option. Eigentlich nutze ich meinen Blog aber viel zur Kommunikation der Dinge, die mich in diesem Moment meines Lebens bewegen, was mich begeistert und gerade diese Dinge mit euch zu teilen bedeutet mir so viel. Ich würde mir wirklich wünschen, dass ich durch meine eigenen Geschichten Menschen bewegen und vielleicht auch an der ein oder anderen Stelle helfen kann. Ich wünsche mir, dass der Austausch wieder mehr wird, daran muss auch ich arbeiten. Denn es ist wie mit dem Briefeschreiben, das ich übrigens sehr liebe: Wer keine Briefe schreibt, darf auch nicht erwarten, welche zurückzubekommen. Ich habe Blog-Vorbilder, es sind nur wenige, aber wenn ich diese Seiten besuche, dann strömt eine riesige Inspirationswelle durch mich hindurch und manchmal, ja, ganz selten, da habe ich dieses Gefühl auch, wenn ich Ideen habe, die ich bloggen könnte. Ich möchte damit kein Geld verdienen, bzw. ich wüsste nicht einmal, wie ich das alles anstellen müsste, ich möchte, dass es ein Hobby ist, das mir nach wie vor sehr viel Freude und tolle Gespräche mit Menschen aus aller Welt beschert. Und genau das sollte es sein: Mein Ort, in dem ich euch ein bisschen mitnehme und erzähle von Dingen, die ich schön finde. Und dann erzählt ihr mir von euren. Machen wir das?
4 Kommentare
  1. Liebe Clara, das machen wir so :) Toller Beitrag wiedermal! Fühl dich geherzt und genieß die Twitter- und Facebook-Pause. Du kannst dir sicher sein: du verpasst NICHTS!

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  2. Ein toller Post meine Liebe!
    Facebook finde ich momentan auch echt schrecklich, weil einfach so viele Videos kursieren und das ist doch eigentlich nicht der Sinn von Facebook gewesen, oder? Ich scroll zwar auch jeden Tag durch, aber denk mir auch so oft: eigentlich könntest du dich auch einfach abmelden...

    Hehe vielen Dank :) Na dann würden wir uns ja super ergänzen! Ich würde dich zum Tanzen mitreißen und du würdest meine Blumen am Leben halten :D
    Gerade das immer Drandenken zu gießen und düngen.. Ach keine Ahnung :D Kakteen sind ja auch schön!
    Hach von Gemüse kann ich nur träumen :D Meine Oma hat ein großes Gewächshaus und ist da auch voll stolz drauf, aber das habe ich leider nicht geerbt :(
    Ohhh du bist ja total goldig :)
    Kann ich aber nur zurück geben, dass du mir totaaaal sympathisch bist :)

    Hättest du vielleicht auch mal Lust auf meinem Blog einen Gastbeitrag zu posten? Dann schreib mir einfach mal auf lifetime-hour@web.de
    Würde mich auf jeden Fall rießig freuen!

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  3. Ein sehr toller Post. Bei München habe ich auch alles auf Twitter verfolgt, nebenbei aber die Nachrichten laufen haben und mich dann doch eher darauf konzentriert. Auf Twitter wurde mir zu vieles gepostet, was rein Spukulativ war und auch die ganzen Bilder und Videos habe ich nicht gebraucht ,es war schon so erschreckend genug, was da vor sich ging. Vor allem da eine Freundin von mir derzeit in München lebt.

    Finde es aber gut, dass du dir nun den Abstand nimmst, den du brauchst. Eine gesunde und richtige Entscheidung, selbst wenn sie schwer fällt.

    Also ich finde deine Beiträge hier immer sehr interessant ;). Jedoch bin ich auch jemand, der vorab gut überlegt, was er online bringt und was nicht. Gibt einfach Themen, die werde ich auf meinem Blog meiden.

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  4. Hey Clara, ja, so machen wir das :)
    Deine Gedanken zu dem ganzen Thema "wie soll ich meinen Blog führen?" kommen mir sehr bekannt vor.
    Liebe Grüße,
    Njunia

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