05 Mai 2016

Das Leben mit Worten

Durch meine Arbeit habe ich in diesem Jahr schon sehr viele interessante Institutionen besucht. Neben dem Europarat und Europäischen Parlament in Straßburg, durfte ich auch in das Kulturamt der Stadt Freiburg sowie auch das Wohnhaus eines bekannten Künstlers hier in der Region, in der ich lebe, reinschnuppern. Am Dienstag war es wieder soweit: Mit ca. 20 Studierenden im Schlepptau besuchten wir neben dem Kulturinstitut unserer Stadt auch die Stadtbibliothek. Nun mag man sich denken, dass ich als bibliophile Frau da nichts neues kennenlernen würde, denn so gehört die städtische Bibliothek seit ewigen Zeiten zu meinem favorisierten Ort, an dem ich zur Ruhe komme und mein Handy in den Offline-Modus schalte und das tue ich sonst nie! Ich dachte also auch, dass mir da nichts neues begegnen würde, aber so war es nicht und den Grund dafür möchte ich euch in diesem Post verraten.

Natürlich war mir die Aufteilung der Bibliothek bekannt, aber: und da kommen wir zu ein paar guten Fakten, die mir am gestrigen Tag begegneten. Und nicht nur das, ich habe das erste Mal ein Buch aus dem 14. Jahrhundert gesehen und berührt. Es war einfach wunderbar mal so alte Bücher hautnah zu sehen. In der Stadtbibliothek in der Stadt, in der ich wohne, kommen jeden Tag mehr als 5 Kindergartengruppen und 3-4 Schulen, um die Bibliothek kennenzulernen, schon kleine Kinder und dann auch die Erstleser bekommen dort Bücher, für ihre Altersklasse angemessen, geschenkt und werden so an das Lesen herangeführt. Auf lesestart.de gibt es spannende Einblicke in ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt zur Einführung ins Lesen für Kinder. Schaut auf jeden Fall mal rein, wenn ihr euch für sowas interessiert.

Etwas, das mich sehr überraschte, obwohl ich es mir eigentlich denken könnte: Das Jugendbuchgenre ist laut der Leiterin der Bibliothek das Genre, das "am schlechtesten geht" und wenn ich an Jugendliche denke, die ich so kenne, die mir mit 16 Jahren auf die Frage, was sie als letztes gelesen haben "Zählen dazu auch WhatsAPP-Nachrichten?" antworten, hätte mir das auch klar sein können. Den Gegensatz dazu bildet mein eigenes Freizeitverhalten: Ich persönlich beschäftige mich in meiner Freizeit sehr gerne und viel mit Büchern. Seien es Blogs, die ich gerne lese (z. B. fraencisdaencis), die sich mit Büchern beschäftigen oder das große Thema Booktube (die Buchcommunity auf Youtube), wo es so viele tolle Leser und Leserinnen zu entdecken gibt, die vor allem eines machen: Über Bücher sprechen. Da gibt es Rezensionen, wie zum Beispiel von der allerbesten und einer der ersten Booktubern, die es überhaupt gab und durch die ich auch zunehmend zum Lesen kam, Andrea Kossmann, die wirklich für mich eine der besten auf Youtube im Bücheruniversum ist. Hier gibt es zum Beispiel eine tolle Rezension zu "Die Sehnsucht des Vorlesens" von Jean-Paul Didierlaurent. Aber auch andere Videos von ihr, wie zum Beispiel ihre BlubberBlabberVlogs, bei denen sie stundenlang erzählt über alles, was ihr so in den Sinn kommt, haben mich schon viele Jahre begleitet und mir zum Beispiel beim Aufräumen so ganz nebenbei viel Freude gemacht. Es gibt einige junge Menschen, die man im Internet findet und mit denen ich meine Freizeit "verbringe", sei es auch nur virtuell und so hat mich diese Aussage, wie schlecht das Buchgenre läuft gerade für die Jugend und wie wenig da ausgeliehen wird, noch einmal mehr überrascht und mir gezeigt, dass es sich lohnt über den Tellerrand hinaus zu schauen.

In diesem Post möchte ich ein paar Gedanken teilen.
Lesen war für mich schon immer wichtig und natürlich merke auch ich in Zeiten von Social Media-Dingen wie Instagram, Twitter und co. wie schnell man sich damit stundenlang beschäftigt und dann gibt es auch noch Netflix und Amazon Prime und wie sie alle heißen, mit denen es auch so einfach ist, sich abends zu befassen. Da "bleibt einfach keine Zeit zum lesen", mag man denken. Aber: Ich hab es schon so oft mir selbst und anderen gesagt, auch wenn das immer ein bisschen klugscheißerisch klingt: Wir alle haben die gleiche Zeit. Jeder Mensch hat 24 Stunden am Tag und so richtig zählt diese Ausrede für nichts. Gar nichts. Wieso also nehmen wir uns nicht die Zeit? Ich weiß es nicht. Ich weiß n ur, dass Lesen, wenn ich es denn mache, mich glücklich macht. Ich habe mir angewöhnt nur noch Bücher zu lesen, die mich sehr ansprechen, die ich vielleicht aus Empfehlungen sehe. Es gibt zum Beispiel Menschen im Internet wie Franzi (siehe Blog oben), bei der ich weiß, dass wir einen ähnlichen Geschmack haben. Wenn also ihr ein Buch gefallen hat, kann ich mich in 90% der Fälle drauf verlassen, dass es mir auch gefallen wird. Ich habe einen SuB von über hundert ungelesenen Büchern und ich werde gerade echt doll aussortieren. Bücher, die seit teilweise Jahren dort stehen (ungelesen!), werde ich wohl auch nicht mehr lesen. Dementsprechend wird den Büchern der Kampf angesagt. Ich plane feste Lesezeiten, um in die Welt der Bücher abzutauchen, um mir die Zeit zu nehmen, jedenfalls ein halbes Stündchen pro Tag. Immer ein Buch dabeizuhaben hilft mir auch, denn so können kurze Wartezeiten mit Lesen verbracht werden. Geht auch auf dem Reader. Falls ihr Ebook-Readern skeptisch gegenüber eingestellt seid: Probiert es aus! Nur weil man ab und an auf einem Reader liest, heißt das nicht, dass man analoge Bücher nicht mehr lesen kann.  Man braucht nicht immer Stunden, um mal zu lesen, einfach ein paar Seiten pro Tag, gerne auch mal eine Kurzgeschichte und ich bleibe im Leseflow. Ich finde es auch für Kinder (schon wieder redet sie über Kinder!) so wichtig, dass die Eltern das vorleben, dass Lesen was schönes ist, dass schon früh vorgelesen und vermittelt wird, dass Bücher zum Leben dazu gehören. Denn mit dem Lesen kommt das Schreiben und was bitte gibt es auf der Welt schöneres und auch mächtigeres als Worte? Was schon?
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