11 März 2015

Ich bin dann mal offline von Christoph Koch

Zum ersten Mal gelesen habe ich "Ich bin dann mal offline" im Jahre 2011 in mitten einer Phase, in der ich das Internet übermäßig viel genutzt habe. Facebook, Twitter, Google und Konsorten gehörten zu meinen täglichen Wegbegleitern. Vor allem bei Facebook spürte ich schon damals dieses Gefühl, dass es mich 'belastete', wenn ich mich einloggte. Mit Gedanken, wie "Wer will jetzt wieder irgendwas von mir?" loggte ich mich ein, hatte keine Lust, aber dennoch - das Internet hatte mich in seiner uneingeschränkten Gesamtheit. Ich war schrecklich viel bei Twitter  unterwegs, wusste jeden Tag darüber Bescheid, was meine Timeline so tat. Menschen, die ich größtenteils gar nicht kannte, die auf einmal ein fester Teil meines Alltags geworden waren. Wie gesagt, in dieser Zeit las ich das erste Mal "Ich bin dann mal offline" und für mich war schon nach den ersten Seiten klar, dass dieses Buch mein Leben verändern würde.

Beginnen möchte ich meine Rezension mit einem Zitat, das mir sehr bewusst geworden sind:  "Heute funktioniert Internet im Grunde nur noch, wenn es immer und dauerhaft verfügbar ist." (Koch, C.; "Ich bin dann mal offline", S. 8) - denn schließlich ist es ja auch so. Gibt es mal technische Probleme, ärgert man sich. Da stellt man sich dann plötzlich die Frage: Komisch dieses Internet, wie funtkioniert das überhaupt? Wieso kommt hier gerade nichts bei mir an? Was ist dieses WLAN überhaupt? schließlich ist es so. Jeder hat Internet und irgendwie wird es auch von Jedem erwartet. Es wird alles immer schneller. Erwartungen. Konversationen. Kontakte.

Christoph Koch setzt sich ganz persönlich mit sich selbst als "Internetsuchtie" auseinander, beschreibt seine Erfahrungen in den Wochen seines Offline-Projektes. Vom anfänglichen Entzug, über verschiedene Schwierigkeiten, die er ohne Internet zu meistern hat, finden sich in "Ich bin dann mal offline" auch sehr viele wissenschaftliche Fakten, die sehr interessant und durch den tollen Schreibstil vom Autor auch nicht langweilig sind (ich weiß wovon ich rede, denn andere Bücher der Thematik sind da weitaus laaaaangweilig geschrieben, wogegen ich die Fakten, Fakten, Fakten aus "Ich bin dann mal offline" regelrecht aufgesogen habe). Es hat sich viel verändert durch das Internet, das ist keine Frage. Das ist auch dem Autor bewusst. Aber ob diese Veränderungen immer positiv sind, ist fraglich. Ich habe mich erschreckenderweise in vielen Dingen, die der Autor schreibt wieder entdeckt und auch das war ein Grund dafür, dass ich etwas ändern wollte. Die Freundschaften haben sich geändert, so Koch. Wenn ich überlege, wie selten mich Freunde wirklich anrufen, statt mir eine Mail zu schreiben; wie oft man schnell eine Sms sendet etc. - dann merke ich wirklich, dass eine Facebooknachricht auf die Pinnwand mit "Ich denke an dich", leider heute viel öfter ist, als man denkt. 

Neben wissenschaftlichen Fakten, schmunzelanregenden Geschichten und Erfahrungen, gibt Christoph Koch auch super Tipps für "die Zeit danach", wie zum Beispiel einen "Offline - Tag" in der Woche. Oder  Sachen wie, das "send by iPhone" auszuschalten, denn hat man dieses eingestellt, denkt der Empfänger ja auch "Oh, der ist immer erreichbar, da kriege ich super schnell eine Antwort"  - mag für den einen erwünscht, für mich aber nur eine Last sein. Ich möchte selbst bestimmen, wann ich auf eine Mail antworte oder sowas - ihr nicht auch?
Christoph Koch, der ja "neben" dem Schreiben von "ich bin dann mal offline" noch normal als Journalist arbeitet, ist natürlich noch viel mehr Schwierigkeiten ausgesetzt, Sachen per Post zu versenden, viele Telefonate führen statt Mails zu senden oder oder oder..

"Ich bin dann mal offline" hat mir so viele wertvolle Tipps und Anregungen gegeben, dass ich es immer wieder zur Hand nehme, mit farbigem Stift markiere, was mir besonders gefällt, Notizen mache und sinniere. Darüber, wie ich die Kontrolle über meinen Internetkonsum nehmen möchte, wie ich es nutzen möchte und alles verändere. Und das ist für mich sehr wertvoll.

Ich hatte vor ein eigenes Projekt zu machen, so ganz ohne Internet. Ich will es auch immer noch tun. Allerdings habe ich es im Moment auch so sehr gut geschafft, das Internet nur noch zu nutzen, wenn ich möchte. Und nutzen und machen im Internet, was ich möchte. Ich habe Facebook abgeschafft, den Leuten, die mich erreichen möchten, können mir eine Mail schreiben. Ich möchte diesen Oberflächlichkeiten, die ich früher für "wichtig" angesehen habe aus dem Weg gehen, meine Kontakte intensivieren, die  mir wichtig sind und Menschen um mich haben, die meine Freunde sind. Twitter nutze ich nach wie vor gerne und auch viel, wenn mir danach ist. Aus "Ich bin dann mal offline" habe ich vor allem einen bewussteren Umgang mit dem Internet gelernt. Wenn ich Lust habe, kommt es auch heute noch vor, dass ich mal einen Tag am Internet hänge und sinnlose Sachen mache, aber der mir wichtigste Punkt, nämlich der "Zwang" Internet zu nutzen, ist weg. Und das tut mir unheimlich gut. Ich denke ich habe da meinen Weg gefunden.

Nach 4 Wochen (+ zwei verlängerten Wochen) schreibt Christoph Koch folgendes: 
"Zum einen fliehe ich immer mal wieder für einen halben Tag in die Bibliothek. Die Stille dort erinnert mich an die Tage, an denen ich diese Ruhe auch ständig Zuhause hatte - auch wenn ich es nicht immer schätzte, sondern besonders am Anfang verflucht habe. Mein Arbeitspensum in den Offlinewochen war phänomenal - vor allem insofern, als ich wesentlich mehr erledigt bekam als vorher, aber gleichzeitig nicht das Gefühl hatte, mehr zu arbeiten. [.,.] Zum anderen merke ich, wie sich manche Freundschaften in den Wochen meiner Netzlosigkeit qualitativ verbessert haben." (Koch, Christoph; "Ich bin dann  mal offline", S.234)

Ich könnte ewig weiterschreiben, ich habe nämlich selten ein Buch gelesen, was mich so gefesselt und inspiriert, fasziniert und über mich selbst entsetzt hat. Ich habe mich in irgendeiner Weise verändert dadurch und das finde ich wahnsinnig spannend. Sehr unterhaltsam, einfach klasse!
Ich kann nur JEDEM ans Herz legen das Buch zu lesen, der viel im Internet unterwegs ist, es werden für jeden Aspekte dabei sein, die ihn ansprechen, da bin ich mir sicher!

Lesen, Lesen, Lesen!

Pressestimmen
„Das digitale Fasten liegt im Trend.“ (Welt Online / Welt am Sonntag)
„Ein höchst unterhaltsames Buch, das Augen öffnet … “Ich bin dann mal offline” liest sich kurzweilig, bringt einen aber trotzdem zum Nachdenken über seine eigenen Internet-Gewohnheiten.“ (Kölner Express)

Quelle und weitere "Pressestimmen" http://www.christoph-koch.net/kauf-mich/#ixzz1mBPJODn0


Weiterführendes 
Kennt ihr das Buch schon? Wie hat es euch gefallen? Was habt ihr daraus mitgenommen?
Oder habt ihr vielleicht Kritik? 
Schreibt mir eure Meinungen, ich bin gespannt! (: und freue mich!
Wie nutzt ihr das Internet?

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